Rezension: Bis das Feuer die Nacht erhellt von Becca Fitzpatrick

15. November 2011Marie
Autor: Becca Fitzpatrick
Titel: Bis das Feuer die Nacht erhellt
Teil einer Reihe? 2. Teil einer Reihe
Broschierte Ausgabe: 410 Seiten
Verlag: Page & Turner
ISBN-10: 3442203902 
ISBN-13: 978-3442203901
Preis: 16,99€
Originaltitel: Crescendo
Genre: Urban Fantasy; Romantasy; Jugendbuch
Themen: Engel; Verrat; Schutzengel; Trennung; Rätsel; Verfolgung
Kaufen?

 «Ich konnte nicht einmal daran denken, was sie ihm antun würden, ohne das Gefühl zu bekommen, in Eis eingesperrt zu sein, kalt vor Angst und eingefroren im blanken Schrecken. Patch hatte mir nie gesagt, wie die Hölle war. Aber er wusste es. Und die Tatsache, dass er mir nicht davon erzählte, zeichnete ein sehr lebendiges, trostloses Bild. Ich hielt den Blick auf das Wohnzimmer gerichtet. „Ich habe Scott ein Glas Wasser versprochen.“ „Du verbringst eine Menge Zeit mit einem Typen, den ich als ziemlich finster bezeichnen würde. Und wenn man meine Maßstäbe so bedenkt, dann ist das ein Titel, den man von mir nicht so leicht bekommt“ “ Muss man ein dunkler Prinz sein, um einen anderen zu erkennen?“ „Es freut mich, dass du dir deinen Sinn für Humor bewahrt hast, aber ich meine es ernst. Sei vorsichtig.“»
[Becca Fitzpatrick – Bis das Feuer die Nacht erhellt; S. 253 f.]

Erster Satz: 
Die Zweige des Stechapfelbaums kratzten an der Fensterscheibe hinter Harrison Grey.

Inhalt:

Nora ist endlich mit ihrem Patch zusammen, der nun ihr Schutzengel ist, doch neben all ihren Liebesbekundungen, wirkt er distanziert und zieht sich zurück. Als wäre das noch nicht genug, scheint er ein ungesundes Interesse an Noras Erzfeindin Marcie zu entwickeln. Nora trennt sich schließlich von Patch, obwohl ihr dieser dennoch öfters über den Weg läuft, als ihr lieb ist. Nebenbei lernt sie den geheimnisvollen Scott, einen Freund aus ihrer Kindheit, erneut kennen und während sie spürt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, holt sie auch ihre Vergangenheit wieder ein, denn Nora träumt von ihrem Vater, der vor langer Zeit auf mysteriöse Weise ums Leben kam, und hat einige merkwürdige Erscheinungen. Wieder scheint ihr jemand nach dem Leben zu trachten und irgendwie wird Nora den Verdacht nicht los, dass Patch etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun haben könnte. Auf der Suche nach Antworten wird sie immer tiefer in einen Strudel von Ereignissen gesogen und nach und nach offenbaren sich ihr Wahrheiten und Geheimnisse, die sie am liebsten nie erfahren hätte.

Schreibstil:
Wie bereits in „Engel der Nacht“ überzeugt Becca Fitzpatrick mit einem einfach gehaltenen Schreibstil, der vor Bildhaftigkeit nur so strotzt. Der Leser kann sich alles sehr detailliert vorstellen und versinkt deswegen geradezu in der Geschichte. Man hat dieses Gefühl, als würde man die Straßen und Häuser von Maine kennen und auch die Menschen wirken greifbar und dreidimensional. Abermals schafft Fitzpatrick eine atmosphärisch dichte Geschichte zu schreiben, die den Leser mitzureißen vermag.

Meinung:
Viele Reihen und Trilogien haben es so an sich,
dass der zweite Teil meistens nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist. Oft
wirkt die Geschichte wie ein Lückenfüller oder riecht nach
Geldmacherei. Den Eindruck hatte ich bei „Bis das Feuer die
Nacht erhellt“ zwar nicht, jedoch hatte ich mehrmals das Gefühl, dass
die Autorin viel zu viel auf einmal in ein Buch quetschen wollte, wobei
es an manchen Stellen getrost hätte gekürzt werden können. Ich muss
sagen, dass ich dem Buch eher zwiegespalten gegenüberstehe, denn obwohl
es mich auf der einen Seite sehr fesseln konnte, hatte es nicht den
unwiderstehlichen, unnachahmlichen Charme des ersten Teils.

„Bis
das Feuer die Nacht erhellt“ ist auf jeden Fall anders, als noch der
erste Teil. Die Geschichte beginnt rasant und man wird direkt
unvorbereitet ins Geschehen geworfen. Schon auf den ersten Seiten
bekommt man die erwartete Trennung von Nora und Patch serviert, was mich
doch etwas ernüchtert hat, da ich hoffte, mehr über die Beziehung der
Beiden zu erfahren. Außerdem hatte ich so ein leichtes Twilight-Déjà-Vu,
auch wenn man die Reihe um Patch und Nora garantiert nicht damit
vergleichen kann, jedoch kam mir das Schema bekannt vor: Im ersten Buch
versuchen sie, sich zu kriegen und im zweiten Buch haben sie sich und
trennen sich auf Grund äußerer Einflüsse. Allerdings war das Ganze um
Längen nicht so melodramatisch gestaltet, wie in Twilight, denn die
Trennung und die Beziehung die die Beiden immer noch zueinander haben,
wirkt trotz Allem realistisch und wie aus dem Leben gegriffen.

Noras Gefühle werden einfach sehr gut dargestellt und man kann sich
immer in ihre Lage hineinversetzen, auch wenn sie manchmal etwas sehr
übertrieben zickig und übertrieben reagiert. Ich denke, als
Außenstehender ist es immer leicht so etwas zu beurteilen, aber wenn ich
mich mal in ihre Situation versetze, könnte ich mir vorstellen, dass
ich teils ähnlich reagieren würde. Man erfährt auch sehr viel mehr von
Nora als im ersten Band und das macht sie auf der einen Seite sehr
sympathisch und auf der anderen Seite stehe ich auch ihr etwas
zwiegespalten gegenüber. Sehr gefallen hat mir ihre Kämpfernatur, die
sie dazu bringt, nicht aufzugeben und die Geheimnisse hervorzukramen,
die Patch und weitere Charaktere vor ihr geheim halten. Sie fühlt sich
hintergangen und möchte nicht mehr im Dunkeln tappen. Für mich hat sie
das zu einem sehr starken Charakter gemacht. Andererseits war sie doch
oft etwas melodramatisch, was die Beziehung zu Patch angeht, obwohl ich
es sehr positiv fand, dass sie ihren Stolz aufrechterhält und ihm nicht
hinterherdackelt, wie ein Hündchen. Außerdem klebt sie nach Außen hin
nicht so sehr an ihm, wie manch anderer Charakter – sie denkt sich zwar
ihren Teil, doch sie ist auch auf ihr eigenes Leben und ihre Zukunft
fixiert.

Patch hingegen bleibt abermals sehr im Dunkeln, zumal er in „Bis das
Feuer die Nacht erhellt“ ohnehin nur als Randfigur auftaucht. Es wird
zwar viel über ihn geredet, doch er selbst taucht nur in wenigen Szenen
im Geschehen auf und bleibt auch nur wenige Seiten. Das war auf der
einen Seite enttäuschend, da er einfach einer meiner Lieblingscharakter
ist, auf der anderen Seite jedoch natürlich auch notwendig. Trotz der
wenigen Informationen – oder womöglich gerade deswegen – bleibt er eine
interessante Persönlichkeit, die ihre düstere Aura bewahrt hat und die
ebenso stark wirkt, wie schon im ersten Teil – auch wenn dort noch mehr
das Geheimnisvolle und Unbekannte mit eingespielt hat. Auch die anderen
Charakter haben mir relativ gut gefallen – vor allen Dingen Vee wurde
mir seltsamerweise wieder sympathischer. In den meisten Rezensionen lese
ich, dass sie als nervig und unsympathisch bewertet wird, aber meiner
Meinung nach lockert sie das Geschehen immer sehr gut auf und bringt
viel Schwung und Humor in die Geschichte. Außerdem ist sie ehrlich und
direkt, was ich einfach sehr schätze. Trotz der Trennung sind auch die
Dialoge zwischen Nora und Patch wieder sehr energiegeladen und
leidenschaftlich. Auch die öfters aufkeimende Ironie und das ständige
Kontern zieht sich durch die Passagen mit Patch und machen Spaß beim
Lesen.

Ich muss sagen, dass ich zu Beginn des Buches nicht wirklich
einen roten Faden erkennen konnte. Teilweise kam es mir so vor, als
würde einfach ständig nur etwas passieren und man würde von einer
Situation in die nächste rutschen, sodass man gar nicht mehr so genau
weiß, wohin das nun alles führen soll. Den Leser in die Irre zu führe ist
unter Umständen natürlich sehr spannend, doch man sollte schon einen
gewissen Weg erkennen können und das fiel mir zum Teil sehr schwer, da
sich immer mehr Fragen und Rätsel angehäuft haben, die ich nach einiger
Zeit wieder vergessen hatte und die später wieder relevant wurden.
Dennoch wirkte das ständige Hin und Her und Noras Zweifel sehr stark auf
den Leser, der nach einiger Zeit gar nicht mehr weiß, wem er trauen
kann, ständig Angst hat, dass irgendetwas geschehen wird und hinter
jedem Baum ein Verbrechen vermutet hat. Im letzten Drittel des Buches
wird dann alles auf einmal aufgelöst und das kam dann doch sehr
plötzlich und ging viel zu schnell. Nachdem so lange auf diesen Klimax
hingearbeitet wurde, hätte ich mir irgendwie eine ausführlichere
Erklärung gewünscht. Allerdings soll das nicht heißen, dass mich das
Ende ernüchtert oder mich emotional nicht gepackt hätte – ganz im
Gegenteil: Die spannungsgeladene Stimmung, die Fitzpatrick mit der
ersten Seite aufbaut, fällt endlich in sich zusammen und die Lösung war
für mich unvorhersehbar und sehr gut durchdacht. Ich war überrascht, wie
logisch sich letztendlich alles erklären ließ, wo ich anfangs derart im
Dunkeln getappt bin.


Fazit:

Als spannungsgeladenes, irreführendes
Urban-Fantasyabenteuer, sollte man „Bis das Feuer die Nacht erhellt“
nicht verpassen, denn auch wenn der Charme aus dem ersten Teil auf der
Strecke bleibt, so schafft Fitzpatrick doch abermals ein Buch voll von
düsterer Atmosphäre und einer Spannungskurve, die es in sich hat.
Greifbar, humorvoll und teilweise etwas zu rasant geht man mit Nora
abermals auf eine Jagd nach Antworten, mit denen man nicht gerechnet
hätte. Ich empfinde „Bis das Feuer die Nacht erhellt“ zwar nicht
unbedingt als MUSS, da er etwas schwächer ist als sein Vorgänger und
dieser getrost auch hätte alleine stehen können, doch letztendlich habe
ich einige unterhaltsame Stunden mit dem Buch verbracht.

Herzlichen Dank für die
Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares an

Eure Wortmalereien (1)

  • dreamer

    18. November 2011 at 20:21

    ich muss dir ja leider sagen das teil 3 noch schwächer ist 🙁 ich hab ja bisher alle teile durch die beiden letzten auf englisch ;D

    lg july

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