Ensel und Krete von Walter Moers

22. September 2018Marie

Urlaub in Bauming – das sollte eine ruhige und entspannte Angelegenheit für Touristen aller Art sein, auch für das Fhernhachen-Geschwisterpaar Ensel und Krete. Doch als die beiden verbotenerweise absichtlich vom Pfad abkommen und sich augenblicklich in dem großen Wald verirren, beginnt für die beiden ein besonderes Abenteuer, denn irgendwo in diesem undurchsichtigen Wald voller Gefahren und Irrungen, lauert die Hexe.

Walter Moers vs. Gebrüder Grimm

„Und auch moralischen Gesetzen darf sich der Dichter nicht unterwerfen, damit er gewissenlos das Werk seiner Vorgänger plündern kann – Leichenfledderer sind wir alle.“ (S. 37)

Wenn nicht bereits der Titel so offensichtlich wäre, würde dieses Zitat aus „Ensel und Krete“ wohl alles zusammenfassen: mit der zamonischen Version des grimmschen Märchens „Hänsel und Gretel“ erschafft Walter Moers einmal mehr eine unterhaltsame, parodistische und skurrile Geschichte aus Zamonien, die zwar nicht die epische Tragweite seiner anderen Romane hat, jedoch trotzdem eine absolute Leseempfehlung ist. Allein die zahlreichen intertextuellen Bezüge und die Parodie des Literaturbetriebs machen „Ensel und Krete“ zu einem absoluten Lesegenuss. Das Märchen ist dabei zweitrangig, viel spannender und skurriler gestalten sich die Mythenmetzschen Abschweifungen, in denen der zamonische Dichter einfach so aus dem Nähkästchen plaudert, Schreibtipps gibt oder seine Spannungskurven offenlegt. Das ist teilweise so unnötig, aber komisch, dass ich die Abschweifungen teilweise lieber gelesen habe, als das Märchen selbst.

Dabei stoßen Ensel und Krete auf derart viele skurrile und faszinierende Geschöpfe, dass es selten langatmig wird und auch die vorausahnende Ironie, die in jedem Satz mitschwingt, verleiht der Geschichte das besondere Etwas. Im Fokus stehen dabei aber dennoch stets die Mythenmetzschen Abschweifungen und die Biographie des zamonischen Dichters am Ende der Geschichte, die wunderbar ironisch die Biographie eines Schriftstellers parodiert – inklusive literarischer Strömungen, Einflüsse, Geschmacksverirrungen und Hochmomente.

Unverwechselbar Moers

Moers unverkennbarer Schreibstil, die ihm typischen Zeichnungen und der Ton des Romans sind unverwechselbar und so reiht sich „Ensel und Krete“ perfekt in den Zamonien-Zyklus, auch wenn es hier weniger auf die Geschichte, als viel mehr auf die Art und Weise ankommt, wie erzählt wird. In jedem Fall ist die Geschichte um Mythenmetz und sein Fhernhachen-Geschwisterpaar lesenswert und macht insbesondere dann Spaß, wenn man einen groben literarischen Überblick hat und die typischen Lebensläufe bekannter Schriftsteller im Blick behält. Doch auch ohne dieses Wissen wird man viel Freude mit diesem phantastisch-skurrilen, zamonischen Märchen haben.

Eckdaten

Albrecht Knaus Verlag / 24,00€ / 256 Seiten

Eure Wortmalereien (4)

  • Stephie

    26. September 2018 at 1:24

    Ich muss ja gestehen, dass ich bisher nur die Graphic Novels gelesen habe, diese fand ich dafür aber so großartig, dass ich nun unbedingt auch einmal einen der Zamonien-Romane lesen möchte. Hast du ‚Die Stadt der träumenden Bücher‘ als Buch auch schon gelesen? Oder muss man nicht zwingend mit diesem Buch beginnen?

    1. Marie

      27. September 2018 at 14:20

      „Die Stadt der träumenden Bücher“ habe ich bereits gelesen und ich liebe liebe liebe dieses Buch. Die Graphic Novels sind super, aber die wundervolle, spezielle Atmosphäre des Romans erreichen sie nicht ganz. Man muss aber auch nicht zwingend damit anfangen – das erste Buch der Zamonien-Romane sind ja die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär, also ist die Reihenfolge eigentlich total egal 🙂 Ich kann dir die Stadt der träumenden Bücher aber wirklich nur ans Herz legen!

  • Flo

    22. September 2018 at 19:38

    Eines der unterschätztesten Zamonienbücher. Die Abschweifungen sind einfach nur zum totlachen.

    Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli Brummli

    1. Marie

      23. September 2018 at 14:13

      Haha, da hast du recht 🙂

Schreibe deine Wortmalerei

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Letzte Wortmalerei

Satoru und das Geheimnis des Glücks: Reisebericht einer Katze von Hiro Arikawa

18. September 2018

Nächste Wortmalerei

Reihen-Vorstellung: Die Königin der Schatten von Erika Johansen

27. September 2018