Die Perlenschwester von Lucinda Riley

10. November 2018Marie

Celaeno, CeCe genannt, ist die vierte der d’Apliese-Schwestern, und auch sie sucht nach dem Tod ihres Adoptivvaters Pa Salt nach ihrer wahren Identität und Herkunft. In Australien soll sie der Spur einer gewissen Kitty Mercer folgen, doch ihr Weg führt sie zunächst nach Thailand, wo sie die Bekanntschaft eines geheimnisvollen Mannes macht. Als sie durch ihn auf eine Biographie von Kitty Mercer kommt und damit herausfindet, dass diese den Perlenhandel in Australien zu ungeahnter Blüte gebracht hat, reist CeCe endlich nach Down Under und lernt dort nicht nur die Kultur der Aborigines kennen, sondern folgt auch endlich ihrem Herzen.

Ein typischer Lucinda Riley – unterhaltsam, kurzweilig und ein bisschen kitschig

Mit  Cece d’Apliese, der Perlenschwester, geht das Familienepos rund um die sieben Schwestern in die vierte Runde und entführt den Leser ins regnerische London, ins paradiesische Thailand und schließlich ins abenteuerliche Australien. Dabei weiß man bereits mit den ersten Sätzen, woran man ist und was man da liest – ein typischer Lucinda Riley eben. Böse Zungen könnten behaupten, dass man in dieser Reihe dieselbe Geschichte in mehreren Versionen und unterschiedlichen Ländern serviert bekommt, aber so völlig wahr wäre das natürlich nicht. Dennoch ist das Konzept altbekannt, die Aufteilung bewährt und der Handlungsverlauf vorprogrammiert. Mit kleinen Überraschungen versucht Riley die Geschichte immer wieder aufzuwerten, doch das gelingt ihr nur selten wirklich gut – an vielen Stellen hätte sie sich für meinen Geschmack einfach noch mehr trauen, einen Schritt weitergehen können. Letztlich bekommt man also, was man erwartet, wenn Lucinda Riley draufsteht: eine unterhaltsame, kurzweilige und ein bisschen kitschige Geschichte auf zwei Ebenen, die einige nette Lesestunden verspricht und erfüllt.

Eines der Attribute, die mir an Rileys Bücher immer irgendwie stört ist ihr Schreibstil, der meist so schnulzig, wie hölzern wirkt. Dialoge lesen sich oft sehr gestelzt und wenig natürlich, Beschreibungen der Umgebung könnten etwas raffinierter und ausführlicher sein. Genau das habe ich auch dieses Mal wieder zu bemängeln, auch wenn ich damit schon gerechnet habe. Diese Eigenschaften führen dann auch meistens dazu, dass sich ihre Bücher sehr ähnlich lesen und dadurch auch eine ähnliche Atmosphäre transportieren. Die sechs Schwestern scheinen sich so nur in sehr wenigen Dingen tatsächlich zu unterscheiden, während die jeweiligen Geschichten aus der Vergangenheit stets einer sehr ähnlichen Handlung folgen – nur eben jeweils in einem anderen Land. Am Ende geht es irgendwie immer gleich aus: die Protagonistin entscheidet sich für den Falschen, verliebt sich unglücklich und ist ihrer Zeit in gewisser Weise voraus. Kitty Mercer durchlebt diese Struktur ebenso wie alle anderen Figuren vor ihr und das ist zwar unterhaltsam, aber irgendwie auch ein bisschen vorhersehbar.

Ein bisschen Mut wäre gut

CeCes Geschichte hingegen, scheint da schon ein wenig mehr Überraschungen bereit zu halten, vor allen Dingen, was ihre Beziehungen und Partnerwahl betrifft – auch wenn diese Ebene gerne noch viel mehr hätte ausgebaut werden können, stattdessen deutet Riley hier nur, in welche Richtung die Geschichte letztlich geht. Schade, aber zumindest ein Anfang. Ein bisschen mehr Mut zur Diversität würde ihren Büchern definitiv gut tun. Stattdessen wird ein Handlungsstrang aufgebauscht, der am Ende nur wenig Bedeutung für die eigentliche Geschichte hat und letztlich nur ein kleines „Gimmick“ bietet. Die Handlung insgesamt ist so zwar spannend und unterhaltsam, doch auch vorhersehbar und konstruiert.

„Die Perlenschwester“ ist ein typischer Lucinda Riley – nicht mehr und auch nicht weniger. Ich mag ihre Geschichten und Bücher für Zwischendurch und weiß, was ich erwarten kann und genau das bekomme ich in den meisten Fällen auch. Dass hier und da definitiv unausgeschöpftes Potenzial dahin dümpelt, ist schade und hemmt die Individualität der einzelnen Bücher der Reihe, allerdings glaube ich, dass die Bücher auch nicht mehr sein wollen, als bloße Unterhaltung mit einer historisch angehauchten Vergangenheit und einer dramatischen Geschichte. Ich hatte einige schöne Lesestunden mit CeCe und Kitty Mercer und das ist mir in diesem Fall trotz aller Kritik tatsächlich genug.

Eckdaten

Goldmann Verlag / 608 Seiten / 19,99€ / The Pearl Sister (OT) / Sonja Hauser (Übers.) / ISBN-13: 978-3442314454

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