Die Mondschwester von Lucinda Riley

24. April 2019Marie

Tiggy, die fünfte der d’Aplièse-Schwestern, hat so etwas wie einen sechsten Sinn – sie spürt Dinge, Emotionen und Wahrheiten. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie sich in der Nähe von Tieren am wohlsten fühlt. Als Zoologin ist die Beschäftigung mit Tieren ihr Alltagsgeschäft, sodass sie nicht lange zögert, als sie das Angebot erhält, sich auf einem weitläufigen Anwesen in den schottischen Highlands um Wildkatzen zu kümmern. Dort trifft sie auf Chilly, einen weisen alten Rom aus Andalusien, der das Geheimnis ihrer Herkunft zu kennen scheint.

Unterhaltung ohne Tiefgang

Lucinda Rileys Romane sind wohl so etwas wie mein Guilty Pleasure – sie sind weder literarisch, noch schriftstellerisch hochwertig, aber irgendwie sind es immer Wohlfühlgeschichten, in die man sich hineinfallen lassen kann. Tatsächlich habe ich bisher noch keinen Riley gelesen, der mir uneingeschränkt gefallen hat – ihre Dialoge sind hölzern und wirken konstruiert, die Figuren scheinen alle ein blasses Abbild der jeweils vorangegangen zu sein (sie sind sich schlicht alle zu ähnlich) und die Geschichten sind doch irgendwie immer gleich: die Gegenwart trifft auf die Vergangenheit, in der eine Frau ihre schicksalshafte Lebensgeschichte erzählt. Natürlich ist das genau das Schema, das Lucinda Rileys Romane ausmacht, allerdings ist es nach dem nun mehr fünften Buch der Sieben-Schwestern-Reihe dann doch sehr repetitiv. Die Mondschwester unterscheidet sich dabei in meinen Augen nur wenig von den Vorgängern, hat aber auch einige gravierende Schwächen, die das Buch letztlich zwar zu einer unterhaltsamen Lektüre machen, allerdings leider nicht wirklich zu einem guten Buch.

Das Szenario war dabei so vielversprechend: Tiggy ist die naturverbundene Schwester, die mit Tieren arbeitet und ein Gefühl für die Dinge und Menschen, um sie herum hat. Zudem spielt die Geschichte zunächst in einem Reservat in Schottland, in welchem Tiggy Wildkatzen betreut. Tatsächlich hat man auch schon nach kürzester Zeit so eine Art heimisches Gefühl: die Figuren sind in typischer Riley-Manier relativ klischeebehaftet, aber eben auch irgendwie liebenswert. Und auch die Vergangenheitsgeschichte beginnt vielversprechend, wenn auch die Figuren hier eindeutig nicht so liebenswert sind, wie es noch in der Gegenwartsgeschichte der Fall ist. Allerdings ist in beiden Fällen nur der Beginn wirklich gut. Während Tiggys Gegenwartsgeschichte sich zu einem ziemlich chaotischen Abenteuer entwickelt, indem alles ein bisschen „zu viel“ ist, wirkt die retrospektive Geschichte ihrer Großmutter Lucía schlichtweg lieblos und vorhersehbar. Zusammen mit den doch sehr spirituellen Handlungssträngen sind beide Erzählebenen oft kitschig und unglaubwürdig.

Interessante Einblicke, langatmige Geschichte

Sicherlich sind die Einblicke, die Riley hier durch ihre weitgehende Recherche bietet, interessant und geben dem Leser einige spannende Informationen über das Leben der Roma im Spanien der 1930er Jahre, allerdings schaffen es diese historischen Informationen nicht, eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten. Stattdessen geht es gefühlt immer wieder um die selben Themen, Handlungsverläufe sind oft vorhersehbar und nicht sonderlich ansprechend geschrieben. Die typischen, hölzernen Dialoge, die oft so konstruiert und roboterartig wirken, erledigen das Übrige. Selten ist es so, dass ich die Gegenwartsgeschichte lieber gelesen habe, als die Vergangenheitsebene, aber bei Der Mondschwester war es leider so. Was mir hingegen gut gefallen hat, waren die vielen kleinen Hinweise und Andeutungen über Pa Salt, die bisher in den anderen Bänden etwas zu kurz gekommen sind. Die Rahmengeschichte, um die Sieben Schwestern wird hier immer wieder aufgegriffen und hinterfragt, sodass ich mir für den finalen Band eine ziemlich spannende Geschichte erhoffe.

Die Mondschwester ist eindeutig nicht der stärkste Band der Reihe um die Sieben Schwestern. Während die gegenwärtige Erzählebene noch mit viel Spannung aufwarten kann, die oftmals über das Ziel hinausschlägt, ist die Vergangenheitsebene lieblos und langatmig erzählt. Dennoch hat mich die Geschichte irgendwie unterhalten und dennoch war ich am Ende irgendwie traurig, mich von den Figuren lösen zu müssen – nach fünf Bänden hat man sich irgendwie doch an die Schwestern und ihre Familie gewöhnt. Trotz eher schlechter Geschichte freue ich mich schon auf den nächsten Band – wie gesagt: Lucinda Riley ist einfach mein kleines Guilty Pleasure!

Eckdaten

Goldmann Verlag / 672 Seiten / €19,99 / ISBN-13: 978-3442314461 / The Moon Sister / Sonja Hauser (Übers.)

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